Mitfahrerbank: Per Anhalter von Dorf zu Dorf, NRZ 19.04.2017

Foto: Veit Ellerbrock

Ab sofort gibt es in Alpen, Menzelen-Ost und Menzelen-West die Möglichkeit, die Mitfahrerbank zu nutzen.
Mit-Initiator Hommen glaubt an den Erfolg.

Freitag, 11.25 Uhr: Karola muss dringend nach Alpen, um noch ein paar Einkäufe für das Wochenende zu erledigen. Ihr Vorhaben gestaltet sich jedoch wieder einmal schwieriger, als es ihr lieb ist, denn ihr Ehemann Kurt ist noch eine ganze Weile beim Arzt und auch ihre Nachbarn können die Rentnerin nicht mitnehmen. Doch dann kommt ihr eine Idee: In Menzelen-West gibt es doch jetzt eine Mitfahrerbank. Schnell packt sie ihre Sachen und macht sich auf den Weg zum ehemaligen „Studio WE“ an der Schulstraße, wo die Bank aufgestellt ist. Noch bevor sie Platz nehmen kann, hält auch schon ein Auto neben ihr. Es ist ihre alte Freundin Edda, die ihr zuruft: „Komm, steig ein. Ich nehme dich mit.“ In Zukunft dürfte es in Menzelen-West und Ost einige solcher Geschichten geben, denn seit gestern ist die neue Mitfahrerbank offiziell eingeweiht. „Mitfahrerbank?“, mag sich der eine oder andere jetzt fragen. Dabei handelt es sich um eine Form des Trampens. Bürger haben jetzt die Möglichkeit, auf einer Bank eben am ehemaligen „Studio WE“ in Menzelen-West, am Marienhäuschen in Menzelen-Ost und an der alten Post in Alpen auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Seinen Ursprung hat diese Idee im Sauerland und in der Eifel, nun schwappt sie auch zum Niederrhein über.

Ein gutes halbes Jahr mussten Alpen und die beiden Menzelener Ortsteile auf ihre Bänke warten, erklärte Bürgermeister Thomas Ahls gestern bei der Vorstellung und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: „Es kommt eben immer anders, als man denkt.“ Doch nun sei das Projekt von Mitinitiator Thomas Hommen, Fraktionschef der Alpener FDP aber endlich umgesetzt. „Der Anfang ist gemacht, jetzt geht es weiter“, gab sich Hommen zuversichtlich. „Ich habe die Bank vor kurzem selbst schon einmal getestet. In Menzelen musste ich fünf Minuten warten, in Alpen acht bis zehn Minuten.“

Für Horst Wichert aus Schaephuysen ist diese moderne Form des Trampens „eine tolle Sache“. In seinem Heimatdorf ist ein ähnliches Projekt schon vor einiger Zeit angelaufen – dort haben die Bürger nun die Möglichkeit, vom Schaephuysener Ortskern nach Vluyn mitgenommen zu werden. Und das Angebot kommt gut an: „Es wird querbeet genutzt. Ich denke, acht bis zehn Leute am Tag nutzen es“, berichtet Horst Wichert. Als Mitglied der Interessengemeinschaft Schaephuysener Bürger trieb er den Start des Projektes damals mit voran. Die Bedenken der Bürger hinsichtlich der Versicherung konnte man im Rheurdter Ortsteil schnell begraben: „Man ist über die normale Haftpflichtversicherung versichert. Und die Leute kennen sich ja alle.“ Diese Meinung teilt auch Thomas Hommen: „Die Mitfahrerbank ist eine Freiwilligkeit. Es ist klar, dass eine 70-jährige Oma nicht den 16-jährigen Punk mitnehmen wird und umgekehrt.“ Trotzdem glaubt er an den Erfolg des Projekts, auch wenn er eine Kooperation über die Dorfgrenzen hinaus schon jetzt ausschloß. „Sobald der innerörtliche Charakter nicht gegeben ist, nutzen die Bürger das Angebot nicht“, weiß er aus Erfahrungberichten aus der Eifel. Viel mehr sei die Bürgerbank eine Gelegenheit, im Dorf näher zusammenzurücken, denn eine Bürgerbuslinie sei auch künftig für Menzelen nicht in Planung.

eingestellt von Thomas Hommen

 

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