Alpener Rat stimmt für das Netz der Zukunft NRZ 28.04.2016

Alpener Rat stimmt für das Netz der Zukunft

Foto: Lars Fröhlich

 

 

 

 

 

Alpener Rat stimmt für das Netz der Zukunft

Alpen.   Die Deutsche Glasfaser soll auf Alpener Gemeindegebiet neue Kabel für schnelleres Internet legen. In den nächsten Wochen werden Haushalte abgefragt.

Die Alpener können sich auf schnelles Internet freuen: Der Rat hat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, in den nächsten Tagen einen Vertrag mit der Firma Deutsche Glasfaser zu schließen und damit den Bau eines glasfaserbasierten Breitbandnetzes auf den Weg zu bringen.

Bis zu zehn Gigabyte pro Sekunde
Zuvor hatte Marco Westenberg, Generalmanager Niederrhein der Deutschen Glasfaser, im Ratssaal mit großer Leidenschaft Werbung in eigener Sache betrieben. „Wir verlegen die Glasfaser bis in die Wohnung der Alpener – das ist der Unterschied zur Telekom.“ Denn die vertraut bis dato auf Kupferkabel, die aber nur bis zu einem speziellen Verteilerkasten reichen, was gerade in ländlichen Bereichen zu Problemen bei der Datenübertragung führt. Gerade hier setzt die 2011 in den Niederlanden gegründete Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser an: Jeder Haushalt soll mit einem FTTH-Anschluss versorgt werden, das offene Netz ist zugänglich für sämtliche Dienstanbieter in den Bereichen Telefon, Internet und Fernsehen. Daten sollen künftig mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Gigabyte pro Sekunde transportiert werden, wichtig auch für das Ultra-HD-Fernsehen. Die Kosten für den Kunden: 34,95 Euro monatlich in den ersten zwei Jahren, plus eine einmalige Bereitstellungsgebühr von 50 Euro.

In Alpen will das Unternehmen 14 Millionen Euro investieren, wenn mindestens 40 Prozent der Bürger einen Vertrag abschließen. Ist die Zahl erreicht, wird das Netz innerhalb von drei Monaten gebaut. Im Frühherbst könnte der erste Kunde in Alpen das Netz der Zukunft nutzen. „Wir können aber auch in Alpen nicht jeden Haushalt erschließen, das ist nicht finanzierbar“, betonte Westenberg. 95 Prozent sei die anvisierte Marke.

Grundsätzlich stieß das Interesse des Unternehmens auch in Alpen auf offene Ohren. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, findet CDU-Fraktionschef Günter Helbig. „Niederländer und Deutsche passen gut zusammen – und im Nachbarland werden eben einige Dinge auch schneller angepackt.“ Jörg Banemann von der SPD freute sich über die „Möglichkeit der besseren Versorgung. Jetzt hat man die Wahl – und jeder Bürger kann für sich entscheiden“.

Es gab aber auch Bedenken, was speziell die Verlegetiefe der Kabel in nur 30 Zentimetern Tiefe betraf. Denn die Firma setzt auf das so genannte Trenching-Verfahren. Dabei wird nur ein dünner Schlitz in den Boden geschlagen. „Da habe ich große Bedenken“, gab Peter Nienhaus von den Grünen zu. „Die Gefahr liegt in der Verlegetechnik, es könnte zu technischen Problemen führen.“ Außerdem gäbe es in Deutschland viele Normen und Vorschriften. „Konkurrenzdenken ist sicherlich gut, doch ich halte die Technik im Moment nicht unbedingt für notwendig.“ Auch Thomas Hommen von der FDP sah mögliche Probleme bei der Art der Verlegung, zudem fehlte ihm der Nachweis der finanziellen Mittel.

Westenberg hielt dagegen, dass es weitaus teurer und schwieriger sei, die Kabel tiefer zu verlegen. Die Deutsche Glasfaser halte sich dabei an das Telekommunikationsgesetz, habe grünes Licht vom Städte- und Gemeindebund bekommen und zudem viele gute Erfahrungen beim Verlegen in den Niederlanden und auch im deutschen Raum gemacht. Wenn eine Straße saniert werden müsste, gäbe es für diesen Fall genaues Kartenmaterial, an welcher Stelle die Glasfaserkabel liegen.

Etwas angesäuert wirkte Walter Adams, Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen und Umwelt, der nach eigenen Angaben vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. „Mit mir hat bisher keiner darüber gesprochen. Grundsätzlich erwarte ich schon, dass man alle Details mit dem Bauamt absprechen sollte.“ Letztendlich siegte aber große Vorfreude über kleinere Bedenken: Ohne Gegenstimme entschieden sich die Ratsmitglieder für die neue Glasfasertechnik. „Wir werden die Vereinbarung unterzeichnen“, erklärte Bürgermeister Thomas Ahls. „Seit vielen Jahren ist Breitband hier ein Thema. Auch wenn es kleinere Probleme geben sollte, bleibt es eine Chance.“

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