Alpens Rat verpflichtet sich dem Klimaschutz, RP 03.09.2020

Wenige Wochen vor der Kommunalwahl setzt der alte Rat in Alpen ein starkes Zeichen: Alle Fraktionen unterzeichnen eine gemeinsame Verpflichtungserklärung

Kurz vor der Wahl noch mal eben die Welt retten. Die Fraktionsspitzen im Alpener Rat legten knapp zwei Wochen vor dem Wahlsonntag alle Rivalität beiseite und begruben das Wahlkampfbeil, um in einer global bedeutsamen Angelegenheit lokal ein Zeichen der Geschlossenheit zu senden. Sie unterzeichneten am Dienstagabend im Ratssaal ein Manifest für den Klimaschutz. Ein symbolischer Akt. Aber, dass es den Spitzen der Parteien selbst in diesen Zeiten gelungen ist, Einigkeit herzustellen, zeigt, dass es allen ernst ist, vor Ort auf den Klimawandel zu reagieren. Natürlich ist es allen klar, dass das kleine Alpen die Welt nicht retten kann. Aber Verantwortlichkeit fängt eben im Kleinen an. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Freude darüber, dass im Rathaus gelungen ist, was auf der politischen Weltbühne manchmal unmöglich erscheint, war allen anzumerken. Der Schulterschluss gegen den „dramatischen Klimanotstand“ sei Basis für konsequentes Handeln in den kommenden Jahren, sagte Bürgermeister Thomas Ahls, auf dessen Initiative die Selbstverpflichtungserklärung der Ratsspitzen zurückgeht. Die gehe über das bereits beschlossene Klimschutz-Konzept für die Gemeinde hinaus und hat letztlich wohl ein klimaneutrales Alpen zum Ziel.

„Wir müssen noch intensiver neue Wege suchen und sie dann gehen, manchmal über unseren eigenen Schatten springen und noch mehr auf regenerative Energien setzen“, so der Bürgermeister. Dass er dabei nicht in Parteigrenzen denkt, unterstrich er durch sein Lob an Peter Nienhaus von den Grünen, am Wahlsonntag einer seiner Konkurrenten im Rennen um den Top-Job im Rathaus. Nienhaus und seine Parteifreunde hätten in der Vergangenheit „immer wieder den Finger in die Wunde gelegt“ und so das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Klimawende reifen lassen.

Peter Nienhaus betonte, dass er die Rolle des Mahners auch in Zukunft weiter ausfüllen wolle. Es gebe weiter genug zu tun. Dass der Anteil des Autos an der Mobiltät im Kreis Wesel weiter bei 75 Prozent liege, während Radfahrer gerade mal auf zwölf kämen und der Öffentliche Personennahverkehr bescheidene zwei Prozent der Menschen bewege, zeige, wie viel Wegstrecke noch vor der Politik liege. Gleiches gelte für die Besserung des Mikroklimas in Alpen.

Der scheidende CDU-Fraktionschef Günter Helbig betonte die klimapolitischen Gemeinsamkeiten der im Rat vertretenen Parteien. Auch wenn man sich im Einzelfall mal streite, so verfolgten doch alle ähnliche Ziele. „Das Papier, auf das wir uns verständigt haben und auf das wir uns festlegen, zeigt, wie in Alpen Politik gemacht wird“, sagte Helbig fast feierlich, bevor er seine Unterschrift unter den Vertrag setzte. Mit Stolz verwies er darauf, dass vor Ort für den Klimaschutzes schon einiges erreicht worden sei.

Da wollte auch der sonst oft so streitbare Chef-Liberale Thomas Hommen nicht widersprechen. Für ihn sei wichtig, dass das „globale Papier“ auf Freiwilligkeit basiere und Spielräume lasse, sich im konkreten Einzelfall für den besten Weg zu entscheiden. Die SPD, obwohl in der Einladung explizit aufgeführt, war zum Termin nicht erschienen. Die Gründe für die Abwesenheit sind nicht bekannt.

Im Gespräch wurde darauf verwiesen, dass Alpen gerade mit der energetischen Sanierung des Schulzentrums begonnen habe, ein 15-Millionen-Euro-Paket, das das Land NRW zwar zu 80 Prozent fördert. Aber der Eigenanteil von gut drei Millionen sei weit mehr als ein Wort. Neben einem Wärmemantel bekommt die Schule eine neue Heizung, die mit Holzpellets befeuert wird. Hallenbad und Sportheim verfügen schon über je ein klima­freundliches Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme produziert.

Sorge bereitet den Verantwortlichen noch die Versorgung der Grundschule samt Turnhalle in Veen. Die alte Heizung macht’s nicht mehr so lange. Klimaschützender Ersatz ist zwar geplant, aber es fehlt noch das nötige Geld. Und zwar nicht wenig. Das komplette Leitungssystem müsse erneuert werden. Eine Herkulesaufgabe in finanziell angespannten Zeiten. Da braucht’s noch einen Förderer.

Beim Fuhrpark der Verwaltung genießt der E-Antrieb inzwischen Vorfahrt. Zwei Pkw und ein Lastwagen fahren bereits mit Strom. Der Grüne Nienhaus gab den Mahner und legte den Finger in die Wunde: „E-Antrieb allein macht nicht selig.

Info:
So sind die überüfbaren Ziele formuliert

Klimaschutzziele: Einsatz erneuerbarer Energien, energetische Gebäudesanierung, umweltfreundliche Mobilität, Verbesserung des Mikroklima und CO2-bindende Maßnahmen

Überprüfbarkeit Die Verwaltung muss jährlich eine Klima- und Energiebilanz vorlegen.

eingestellt von Thomas Hommen

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