Auf gute Nachbarschaft, NRZ 22.09.2018

Das Leader-Projekt „Nachbarschaftsberater“ wurde im Alpener Rat kontrovers diskutiert

Der Grundgedanke macht eigentlich Sinn. Wenn es meinem Nachbarn gesundheitlich schlecht geht, er vielleicht nicht mehr mobil ist, springe ich ein. Erledige für ihn den Einkauf, übernehme Amtsgänge oder fahre ihn zum nächsten Fest um die Ecke. „Nachbarschaftsberater“ nennt sich ein Projekt, das Leader-Regionalmanagerin Kristin Hendriksen, den Mitgliedern im Alpener Rat vorstellte. „Ein ganz besonderes Projekt“, so Hendriksen, „das älteren, hilfsbedürftigen Menschen möglichst lange die soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll.“ Auch Alleinerziehende könnten vom Angebot profitieren.

In dem vom 1. September bis 31. Dezember 2021 angelegten Projektzeitraum soll in den hiesigen vier Kommunen der LAG Niederrhein (neben Alpen, auch Sonsbeck, Xanten und Rheinberg) jeweils ein Nachbarschaftskoordinator, der eine halbe Stelle mit 20 Stunden pro Woche bekleidet, Ehrenamtler finden, schulen und ein Netzwerk für Nachbarschaftsberater aufbauen. „Wir wollen den Menschen im Blick haben“, so Hendriksen, „ihn bei der Eigenständigkeit unterstützen, Einsamkeit und Isolation vermeiden.“ Nun, ganz so begeistert klangen die Fraktionen zumindest im ersten Moment nicht. Und auch Bürgermeister Thomas Ahls sprach von einer anfänglichen Skepsis, da in Alpen schon Strukturen für die gegenseitige Hilfe vorhanden seien. „Aber wir tun etwas für die Menschen, das ist eine andere Dimension. Und auch hier sind Menschen von Vereinsamung betroffen, sind hilfsbedürftig.“

Auch innerhalb der CDU, so Fraktionschef Günter Helbig, sei „kontrovers diskutiert“ worden, weil der Nachbarschaftsberater eine Konkurrenz zu bestehenden Strukturen sei. „Zudem ist der Datenschutz eine wichtige Frage.“ Auch SPD-Fraktionschef Jörg Banemann sprach von einem „schwierigen Thema“. Für ihn stelle sich die Frage, ob eine Qualifizierung mitgebracht werden müsse. Peter Nienhaus (Grüne) und Thomas Hommen (FDP) sprachen indes von einer „guten Investition“, auch vor dem Hintergrund, die Alleinerziehenden mit einzubeziehen.

Und Thomas Ahls stellte klar: „Man tritt doch damit keinem Verein auf die Füße. Ich hätte nicht gedacht, dass es Probleme damit gibt.“ Viktor Illenseer (SPD), der in Alpen die Aktion „Hilfe von Mensch zu Mensch“ betreut, sprach von einem sensiblen Thema. „Es ist oft eine hohe Hürde, dass Menschen sich öffnen.“ Die Fraktionen meldeten Beratungsbedarf an – nach einer 15-minütigen Unterbrechung gab es letztendlich einen einstimmigen Beschluss bei zwei Enthaltungen für das Projekt. Da hatte Kristin Hendriksen den Sitzungssaal schon verlassen.

eingestellt von Thomas Hommen

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