Im Jahr der Unwägbarkeiten, NRZ 23.01.2019

Im Alpener Rat stellte Kämmerin Andrea Wessel gestern einen Überschuss im Haushaltsentwurf für 2019 in Aussicht. Dem stehen viele Investitionen gegenüber

Sollte das Zahlenwerk am Ende des Jahres tatsächlich so aussehen, wie es Kämmerin Andrea Wessel gestern Abend in der Sondersitzung des Rates präsentierte, dann könnte zumindest ein erleichtertes Seufzen durch Alpen gehen: Nach dem Minus in Höhe von 1,6 Millionen Euro in 2017 und dem voraussichtlichen Defizit in Höhe von knapp 4,6 Millionen könnte die Gemeinde das Jahr 2019 mit einem Plus von 816.000 Euro abschließen. So jedenfalls weist es der Entwurf des Haushaltsplans für das laufende Jahr aus.

Allerdings geht die Kommune in ein Jahr der Unwägbarkeiten: Größtes Vorhaben ist die energetische Sanierung des Schulzentrums, die in diesem Jahr startet und mit knapp einer Millionen Euro zu Buche schlägt. Weitere größere Investitionen sind der Straßenausbau in Alpen-Ost (710.000 Euro), Umbau des Ortskerns (680.000 Euro), Erwerb von Ackerland als Ausgleichsfläche (529.000 Euro) und natürlich der Neubau des Feuerwehrgerätehauses (500.000 Euro). Der Schuldenstand der Gemeinde hat sich in 2018 um knapp 400.000 Euro verringert, dürfte sich aber auch durch die langfristige Belastung durch Zinsen und Tilgung auf 16,6 Millionen Euro in 2019 und dann sogar 25,1 Millionen Euro in 2020 potenzieren. Immerhin: Die Ausgleichsrücklage muss nicht angegriffen werden, ein Haushaltssicherungskonzept bleibt in weiter Ferne.

„Über uns schwebt zwar nicht der Pleitegeier, aber wir sind auch nicht reich an Glücksklee“, fasste CDU-Fraktionschef Günter Helbig die Präsentation zusammen. „Es ist ein Blick in die Glaskugel. Denn es gibt zu viele Unwägbarkeiten, wie die Förderquote beim Schulzentrum. Das große Investitionsvolumen macht uns schon Sorgen.“ SPD-Chef Jörg Banemann erklärte, dass man überlegen müsse, „wo wir Kompromisse eingehen und was wir schieben müssen.“

Peter Nienhaus, Fraktionssprecher der Grünen, fühlte sich an den Handball-Krimi gegen Kroatien erinnert. „Es ging rauf und runter, aber am Ende haben wir es doch geschafft.“ Bestimmte Maßnahmen würden die Grünen vielleicht ablehnen müssen. „Schulden sind immer okay, so lange man keine zu hohe Tilgung und zu hohe Zinsen zahlen muss.“

FDP-Chef Thomas Hommen freute sich über den prognostizierten Überschuss für 2019. „Vielleicht sollten wir den Entwurf immer im Januar vorstellen, dann sind die Zahlen positiver.“ Gleichzeitig erinnerte Hommen an die unnötige Aufgabe des alten Feuerwehrgerätehauses, wo man „ohne Not das Eigentum der Bürger zerstören“ würde.

Auch Bürgermeister Thomas Ahls sprach von einem hohen Finanzierungsaufwand. „Wir müssen schauen, auf was wir verzichten oder was wir schieben können. Die Arbeit liegt noch vor uns.“ Auch für die Fraktionen, die jetzt in Klausur gehen, um den Haushaltsentwurf zu beraten und Vorschläge für Einsparungen zu finden.

eingestellt von Thomas Hommen

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