Die alten Volksparteien wollen grüner werden, RP 27.05.2019

Die CDU in Xanten und die SPD in Rheinberg reagieren auf das schlechte Abschneiden ihrer Parteien bei der Europawahl. Die Grünen feiern dagegen. Auch die FDP ist zufrieden.

CDU Die Umwelt rücke auch bei den Älteren zunehmend in den Vordergrund, sagte der Xantener Stadtverbandsvorsitzende Tanko Scholten. Viele Bürger hätten in der Vergangenheit zusätzliches Grün für die Stadt vorgeschlagen. „So etwas müssen wir mehr berücksichtigen.“ Scholten sprach sich für einen naturschonenderen Umgang mit den Ressourcen aus. In den „Fridays for Future“-Demonstrationen der Schüler für den Klimaschutz sieht auch Matthias Broeckmann (CDU-Chef Sonsbeck) einen Grund für die Verluste seiner Partei. Er sei eigentlich recht optimistisch gewesen, sagte er. „Aus dem Stegreif heraus kann ich unser Ergebnis nicht erklären. Wir haben einen guten Wahlkampf gemacht.“

SPD Katerstimmung auch bei den Sozialdemokraten. Sie hätten offenbar die falschen Themen herausgestellt, mutmaßte Peter Tullius, Stadtverbandsvorsitzender in Rheinberg. Auch wenn man „noch relativ gut abgeschnitten hat im Vergleich zum Bundestrend“. Vor allem bei jungen Wählern habe das Klima im Mittelpunkt gestanden. „Das hat sicherlich viele bewogen, Grün zu wählen. Unsere sozialen Themen wurden getoppt.“ Nun müsse man Themen besetzen, die wieder wahrgenommen würden, wie energetische Maßnahmen für städtische Häuser (Null-Energie-Haus) oder mehr Radwege.

Grüne Die Partei feierte ihre Ergebnisse in den vier Kommunen. „Wir sind glücklich“, sagte Peter Mokros, Ortsverbandssprecher in Rheinberg. Auch er wertete den Klimaschutz als eines der bestimmenden Themen dieser Wahl. „Die anderen Parteien tun sich schwer mit diesem Thema.“ Deshalb sei das Ergebnis auch ein „klarer Arbeitsauftrag“ für die Grünen, sich noch mehr für eine umweltfreundliche Politik einzusetzen, sagte der Xantener Ortsverbandssprecher Frank Seitz.

FDP Die Liberalen holten in allen vier Kommunen ein etwas besseres Ergebnis als bundesweit. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte deshalb Rheinbergs Ortsverbandsvorsitzender Ralf Vogel. Das Ergebnis sei „eine Wertschätzung unserer Arbeit vor Ort“, meinte auch Alpens FDP-Vorsitzender Thomas Hommen.

AfD Die Partei legte in allen vier Kommunen zu, obwohl sie vor Ort bisher kaum lokalpolitisch auftritt. Vor allem in Rheinberg bekam die AfD mehr Stimmen. Im Stimmbezirk 11, in dem die Reichelsiedlung liegt, wurde die Partei mit 18,8 Prozent sogar stärkste Kraft vor den Grünen (18,2 Prozent). Gerade dort seien viele Menschen mit der Politik der großen Parteien unzufrieden, meinte der Rheinberger AfD-Kreistagsabgeordnete Uwe Krins. In der Reichelsiedlung leben viele Migranten, Arbeitslose und Menschen mit niedrigem Einkommen.

eingestellt von Thomas Hommen

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